Mitte September, gegen 10.00 Uhr am Montagmorgen im Chintheche rural Hospital, Malawi. Unter den Bäumen haben sich die ersten „Out-Patients“ – „ambulante Patientinnen und Patienten“ im Schatten niedergelassen. Manche von ihnen sind bereits vor Sonnenaufgang zu Hause losgegangen in einem der vielen kleinen Dörfer oder Einzelgehöfte zwischen der gewaltigen Bergkette im Westen und dem Ufer den Malawi-Sees im Osten. Ihren Chintenje, ein buntes Stück Stoff, das als Bettuch, Tischdecke, Babytragetuch und Rock bei Männern wie Frauen beliebt ist, haben sie im Gras ausgebreitet und sich darauf gelegt. Mit erstaunlicher Geduld warten sie ab, bis die Tür zu einem der drei Untersuchungsräume aufgeht und sie endlich an der Reihe sind.

 

OPD WartezimmerOPD WartezimmerOPD Wartezimmer

 

Andere sind schon ein Stück weiter vorgedrungen. Sie sitzen oder liegen auf den Steinbänken im OPD, dem „Out-Patient-Department“, in unserem Spital würde es wohl der „Notfall“ sein. Hier weint leise ein Kind, das im Tragetuch seiner Mutter geborgen ist, dort hustet sich einer seine Tuberkulose aus dem Hals, da starrt eine mit leeren, fieberglänzenden Augen und eingefallenen Wangen vor sich hin: die Malaria hat bei ihr zugeschlagen.

Gleich vorne neben der Tür liegt ein etwa sechsjähriger Junge auf dem blanken Boden, den Rücken an die Wand gelehnt. Den linken Daumen hat er im Mund, Schweißtropfen glänzen auf seiner Stirn. Viel zu große, erstaunlich gute Wildlederschuhe trägt er an den Füßen. Andere Patienten gehen mit schlürfendem Schritt an ihm vorüber, achten darauf, nicht auf den kleinen Schläfer zu treten. Ob er selbst Patient ist, den nach dem beschwerlichen Weg am frühen Morgen nun kraftlos der Schlaf übermannt hat, oder ob er Vater, Mutter, Geschwister begleitet hat – ich weiß es nicht. Ob er irgendwann aus seinem Schlaf aufwacht, sich seinen Platz erobert im Untersuchungszimmer, oder ob er am späten Nachmittag, wenn das Ambulatorium schließt unverrichteter Dinge sich auf den Heimweg macht – auch das kann ich nicht sagen.

 

MedikamentenausgabeLaborRollstuhl Marke Eigenbau

 

Ich weiß nur, er oder seine Familie hat sich auf den Weg gemacht in der Hoffnung auf Heilung oder doch wenigstens Linderung. Aber als ich dann ein Stück weitergehe und vor den leeren Regalen in der Spitalapotheke stehe, ein paar Worte mit dem Apotheker wechsle, weiß ich, der Kleine hat sich vergeblich auf den Weg gemacht wie alle anderen auch. „Out of stock“ – „Keine Vorräte vorhanden“, sagt der Apotheker, als ich nach ein paar gängigen Medikamenten frage, die für die Hauptkrankheiten in der Chintheche-Region zum medizinischen Standard gehören: Malariamittel, Antibiotika gegen Tuberkulose und Bilharziose, Mittel gegen kindliche Durchfallerkrankungen, Schmerzmittel. „Out of stock“ – „Keine Vorräte vorhanden“, sagt der Apotheker schulterzuckend. Derweil füllen Helfer in der Apotheke kleine Plastiksäckchen mit säuberlich abgezählten zehn kleinen, weißen Tabletten, Aspirin. Seufzend sagt der einheimische Arzt, der uns begleitet: „Ich kann die Menschen doch nicht ohne etwas wieder wegschicken! Aspirin haben wir im Moment. Um sie nicht zu enttäuschen, gebe ich ihnen die zehn Tabletten mit. Daß sie nicht helfen, weiß ich. Aber so haben sie wenigstens noch etwas Hoffnung. Die Hoffnung will ich ihnen nicht nehmen.“

 

Patientin mit KindFrauenstationFrauenstation

 

Und draußen liegt der kleine Junge. Vielleicht wacht er rechtzeitig auf und bekommt noch ein Plastiksäckchen mit zehn Aspirintabletten. Und unter dem Baum liegen die anderen Patientinnen und Patienten im Schatten unter dem Baum; 300 pro Tag im Durchschnitt. Wenn sie Glück haben, gibt es auch im Laufe des Tages für sie so ein Säckchen. Zehn Aspirintabletten. Helfen tut’s nicht; aber die Hoffnung bleibt wenigstens.

 

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Kirchgasse 6
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Sekretariat | Tel. 033 722 28 98 | E-Mail | (Dienstag 13.30–17.30 Uhr und Donnerstag 13.30–17.30 Uhr)
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