… so ließe sich vielleicht am besten das überschreiben, was wir bei unserer Reise nach Chintheche in Malawi erlebt und gesehen haben.

Kurz zur Erinnerung in die Vergangenheit: Anfang Mai 2017 waren wir mit einer kleinen Gruppe aus Zweisimmen und Umgebung in Chintheche. Das dortige Spital wurde durch die OeME-Gruppe, die Adventssammlung und zahlreise Gönner aus Zweisimmen unterstützt, insbesondere die Arbeit von zwei deutschen Ärzten, die ihren Dienst im Chintheche rural Hospital versahen. Ausgebrannt und ausgepowert, beendeten die beiden nach etwa anderthalb Jahren ihre Arbeit dort, gesundheitlich und auch sonst ziemlich angeschlagen angesichts der täglichen Herausforderungen im Spital.

Dennoch konnten wir uns damals davon überzeugen, daß es vielleicht auch Sinn machen könnte, die Infrastruktur des Spitals zu stärken und zu reparieren. Also finanzierten wir das Gehalt eines umsichtigen und vielseitig begabten Mitarbeiters, Mr William Banda, dem wir auch noch dank der großzügigen Spenden eine gut eingerichtete Werkstatt zur Verfügung stellen konnten. Kontaktperson nach Chintheche war Mr Gryson Kumwenda, der derzeitige ärztliche Leiter des Spitals. Von ihm erhielten wir genaue Abrechnungen über die Ausgaben, die Mr Bandas Reparaturen und Arbeiten verursachten, und detaillierte Berichte über die Erfolge seiner Arbeit.

 

Unsere WerkstattIn Mr Bandas WerkstattKleine ReparaturarbeitenHaus von Mr Gryson Kumwenda

 

Nun ist Papier geduldig und eine E-Mail schnell geschrieben. Mit etwas gemischten Gefühlen machten wir uns darum am 12. September auf den Weg – bald 24 Stunden Flugreise von Zürich über London und Johannesburg nach Lilongwe, der Hauptstadt Malawis. Nach einem Tag der Akklimatisierung ging es dann mit dem gemieteten Wagen nach Norden ans Ufer des Malawi-Sees nach Chintheche. Und wir wurden positiv überrascht: mit großem Engagement zeigten uns Mr Banda und Mr Kumwenda die Arbeiten, die in den letzten gut 15 Monaten ausgeführt und durch unsere Spenden finanziert worden waren: das Spital blitzt geradezu vor Sauberkeit.

 

Ortseingang von SüdenChintheche MarktNkhata Bay

 

Natürlich ist es nicht die manchmal etwas sterile Reinlichkeit, die wir aus unseren schweizer Spitälern gewohnt sind; aber für die malawischen Verhältnisse sind Flure, Krankenzimmer und Gemeinschaftseinrichtungen von bemerkenswerter Sauberkeit geprägt. Dazu sind auf allen Stationen, in den Untersuchungs- und Behandlungsräumen funktionierende Waschbecken angeschlossen. Die Toiletten und Duschräume wurden ebenfalls überholt und instandgesetzt. Die starken Regenfälle in der letzten Regenzeit hatten die gesamte Entwässerung stark beschädigt; in einem Bereich mußte gar eine neue Entwässerung samt Sickergrube verlegt werden. Mr Banda und sein Team haben dies mit Weitblick erledigt. Darüber hinaus wurden die ganz alltäglichen Reparatur- und Unterhaltungsarbeiten ausgeführt. Und das gesamte Spitalgelände macht – ganz ungewöhnlich für Malawi – einen aufgeräumten und gepflegten Eindruck.

 

Neue Kanalisation nötigKanalisationNeue SickergrubeBesprechung auf dem Flor

 

Aber die beiden Mitarbeiter zeigten uns auch die Schattenseiten: jeden Tag kommen aus der näheren und weiteren Umgebung des Spitals etwa 300 Patientinnen und Patienten mit ganz unterschiedlichen Beschwerden und hoffen auf Linderung im Spital. Doch die Versorgung mit Medikamenten stockt, wie überall im Land. Selbst einfachste Medikamente wie Panado/Parazetamol und Aspirin sind nicht in ausreichenden Mengen vorhanden, und oftmals nur auf dem Schwarzmarkt zu weit überteuerten Preisen erhältlich. Im Labor fehlen selbst einfachste Analysegeräte, mit denen Blut- und Urinuntersuchungen durchgeführt werden könnten, von den entsprechenden Analysechemikalien ganz zu schweigen. Neben einer altersschwachen Zentrifuge steht einsam ein Mikroskop auf dem Tisch des Laboranten, mit dem er Malaria und Tuberkulose einigermaßen sicher diagnostizieren kann.

Dazu rieselt von der Decke durch schadhaft gewordene Verkleidungen Holzstaub und die Hinterlassenschaft der Fledermäuse auf Menschen und Einrichtung herunter; die desolate Elektroinstallation ist überall sichtbar und ebenfalls schadhaft. Auf den Stationen sind nicht mehr für alle Patienten ausreichende Matratzen vorhanden, und denen, die es noch gibt, sieht man ihr hohes Alter und regen Gebrauch deutlich an. Und draußen vor dem Fenster deutet Mr Banda mit sorgenvoller Miene auf den Boden: darunter liegen die schadhaften Abflußrohre und Sickergruben, die die nächste Regenzeit wohl kaum überstehen werden. Hier muß möglichst noch vor der nächsten Regenzeit grundlegend eingegriffen werden, sonst droht eine hygienische Katastrophe. Die ist bei der Elektroinstallation der Leichenhalle schon eingetreten: die Kühlung hat kapituliert und muß gerade angesichts von Temperaturen von weit über 30° C dringend instandgesetzt werden.

 

LeichenhalleDachschadenReparaturbedürftiger Untersuchungsraum

 

In jeder Ecke tut sich ein neues Problem auf – um so mehr hat uns das Engagement und der Eifer von Mr Banda und Mr Kumwenda beeindruckt, die beide aushalten und immer wieder kreative Lösungen für die vielen Schwierigkeiten finden, in denen dieses Spital steckt.

Und die Regierung? Das Gesundheitsministerium? Die Spitalbehörden auf lokaler Ebene? So mag man stirnrunzelnd fragen. Denen müßte doch eigentlich daran gelegen sein, daß auch auf dem Lande, vielleicht gerade in so entlegenen Gebieten wie Chintheche die Gesundheitsversorgung funktioniert. Müßte, sollte – schon recht; nur, die kümmert das alles nicht. Malawi ist und bleibt das, was man mit dem englischen Begriff einen „failed state“ nennt, ein verlorenes Land, das nicht in der Lage ist, die grundlegenden Bedürfnisse seiner Menschen zu erfüllen.

Wir haben es auf unserer Reise an vielen Orten und in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen feststellen müssen: die staatlichen Gehälter werden nicht gezahlt, die Strom- und Wasserversorgung können nicht sichergestellt werden, die Infrastruktur ist katastrophal, die Schulen mit Klassen von bis zu 90 Schülerinnen und Schülern pro Klasse bieten kaum kontinuierlichen Unterricht … Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Nein, der Staat ist nicht fähig – und leider Gottes offenbar auch nicht willens, die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Frustriert haben sich immer mehr Entwicklungshilfeorganisationen aus Malawi zurückgezogen, nur die US-amerikanischen Missionskirchen sind noch aktiv mit ihren völlig überzogenen Kirchenneubauten – wenn das Land eines gewiß nicht braucht, dann sind es weitere Kirchengebäude.

 

Nkotha KotaKirche AltbandaweFriedhof Alt-BandaweStraßenszene im Süden

 

Und in Chintheche sind wir die einzigen, die kontinuierlich Hilfe leisten. Mr Banda und Mr Kumwenda haben uns überzeugt, daß diese Hilfe sinnvoll ist und tatsächlich die Menschen erreicht, die sie benötigen. So haben wir ganz spontan bei unserem Aufenthalt Kontakt zur Aktion Medeor aufgenommen. Dieses christliche Hilfswerk versorgt vor allem kirchliche Spitäler und Gesundheitseinrichtungen mit den dringend benötigten Medikamenten. Der Apotheker im Chintheche Spital hat eine Liste mit den wichtigsten Medikamenten erstellt, die jetzt in Chintheche fehlen. Ein paar Posten davon haben wir bereits in der Zeit unseres zweiwöchigen Aufenthaltes in Malawi mit Lieferungen der Aktion Medeor abarbeiten können; mehr wird sicherlich folgen, nachdem wir nun einen besseren Überblick haben. Mr Kumwenda trägt aus medizinischer Sorge dafür, daß mit den Mitteln verantwortungsvoll umgegangen wird. Und mit Mr Banda müssen wir noch einen Plan erarbeiten, in welcher Reihenfolge wir die anstehenden Reparatur- und Unterhaltungsarbeiten angehen wollen.

Es wird also weitergehen mit der „Hilfe für Chintheche“. Und ich hoffe, daß auch weiterhin die Menschen in Zweisimmen und Umgebung mit ihren Spenden das Engagement dort unterstützen und fördern. All denen, die dies tun wollen, sei schon jetzt ein herzliches „Yeo chomenini“ gesagt, „Vielen Dank“ auf Chitonga, der Sprache der Menschen in und um Chintheche.

 

Sekretariat

Reformierte Kirchgemeinde Zweisimmen
Susanne Oswald
Kirchgasse 6
3770 Zweisimmen

Wichtige Telefonnummern und E-Mail Adressen

Pfarrer | Günter Fassbender | Tel. 033 722 12 69 und 079 933 16 36 | E-Mail
Pfarrerin | Linda Grüter | Tel. 033 722 72 00 | E-Mail
Präsidentin des Kirchgemeinderates | Helen Eymann | Tel. 079 748 28 37 | E-Mail
Sigristin | Magdalena Blatter | Tel. 079 782 11 71 | E-Mail
Sekretariat | Tel. 033 722 28 98 | E-Mail | (Dienstag 13.30–17.30 Uhr und Donnerstag 13.30–17.30 Uhr)
Leitung KUW 2.– 6. Klassen | Gertrud Gobeli | Tel. 033 773 66 93 | E-Mail
Familien- und Paarberatung | Beat Siegfried | Tel. 033 221 45 75 | E-Mail

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